Welches Hörgerät für wen?

Es gibt eine Vielzahl von Modellen und Varianten von Hörgeräten. Grundsätzlich ist zu sagen, dass mit der deutlichen Anhebung der Kostenübernahmegrenze auch der Qualitätsstandard neu festgeschrieben wurde. Die Entscheidung für ein bestimmtes Hörgerät hängt allerdings von unterschiedlichen Faktoren ab. Jeder, der sich für ein Hörgerät entscheidet, sollte sich im Vorfeld Gedanken machen, in welchen Situationen sich das Hörgerät bewähren muss.

In Abstimmung mit dem HNO-Arzt aber vor allem mit dem Hörgeräteakustiker kann dann das optimale Gerät mit den entsprechenden individuellen Programmierungen der Hörprogramme ausprobiert und gewählt werden.

Art und Grad der Schwerhörigkeit

Zu Beginn steht die Betrachtung der Art der Schwerhörigkeit. Wird der Schall nicht richtig ans Innenohr übertragen oder ist das Innenohr geschädigt? Oder besteht eine Kombination aus beidem?

Danach steht der Grad Schwerhörigkeit im Vordergrund. Es wird unterschieden zwischen Hörgeräten für leichte bis schwere Schwerhörigkeit und Hörgeräte für an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit. Die Verstärkungsleistungen sind bei den einzelnen Bauformen unterschiedlich. Die Maximale Verstärkungsleistung liegt bei 85 dB und dabei handelt es sich um ein Hinter-dem Ohr-Gerät.

Ferner ist zu beachten, wie sehr die Hörminderung des jeweiligen Gehörs ausgeprägt ist. Sind beide Ohren annähernd gleich beeinträchtigt, oder funktioniert das linke Gehör wesentlich besser als das rechte? Gibt es ein Gehör, das annähernd taub ist? Die Beachtung dieser Kriterien kann schon zur Vorauswahl führen. Letztlich ist es auch eine Frage zusätzlichen Funktionen und damit der der Kosten, welches Hörgerät infrage kommt.

Besondere Anforderungen

Im Vordergrund steht bei jedem Hörgerät das Verstehen der Sprache. Allerdings ist zu beachten, dass bestimmte Berufsgruppen unterschiedliche Anforderungen an ein Hörgerät stellen müssen. So muss ein Hörgerät für einen Industriearbeiter, der einer kontinuierlichen hohem Lärmbelastung ausgesetzt ist, andere Kriterien erfüllen, wie ein Hörgerät für einen Musiker. Ein Lehrer ist einem anderen Lärmumfeld ausgesetzt, wie ein Büroangestellter oder ein Kurierfahrer. Hier gilt es zusätzlich zu berücksichtigen, dass durch die individuelle Programmierung der Hörprogramme die Hörgeräte auf unterschiedliche Hörsituationen eingestellt werden können.

Ein herausragendes Argument bei der Entscheidung für oder gegen ein spezielles Hörgerät kann die Technik des Anschlusses externer Geräte oder die Übernahme von bestimmten Funktionen sein. Es gibt beispielsweise Geräte, die über Bluetooth-Technologie verfügen, die gerade beim Telefonieren sehr komfortabel ist.

Barrierefreiheit

Ein sehr kleines modisch gestaltetes Hörgerät auf dem neuesten Stand der Technik mag für einen Menschen, der über gute feinmotorische Fähigkeiten verfügt, eine perfekte Lösung sein.

Für Kinder, die toben wollen sind solche Geräte vielleicht nicht ganz geeignet. Für Menschen mit Behinderung und ältere Menschen, die sich vielleicht damit schwer tun, Batterien zu wechseln, stehen ganz andere Anforderungen an ein Hörgerät im Vordergrund. Hier sind größere Modelle sinnvoller, oder gar Geräte, die in eine Batterieladestation eingesetzt werden können. Zur Barrierefreiheit gehört auch, Vorträge oder Konzerte genießen zu können. Deshalb könnte eine Induktionsspule oder sogenannte T-Spule zur Grundausstattung gehören. Also auch hier ist genau zu klären, welche Anforderungen erfüllt sein müssen, damit eine praktikable und komfortable Nutzung sicher gestellt ist.

Klangempfinden und ästhetische Fragen

Hörgeräte unterscheiden sich auch nach Klangfarbe. Manche Hersteller arbeiten an eher klaren und damit etwas härter wirkenden Tönen, während andere Hersteller eher weichere Klangfarben bevorzugen. Auch hier geht Probieren über Studieren.

Bei den ästhetischen bzw. kosmetischen Fragen hat sich in den letzten Jahren sehr viel getan. Wer darauf Wert legt und entsprechende Zusatzkosten aufbringen will, kann sich sein persönliches Design aussuchen.